Ruanda hautnah erleben
Vom 07.02.2026 bis zum 21.02 2026 besuchte die Ruanda AG, bestehend aus Oberstufenschülerinnen und - schülern und den organisierenden Lehrkräften Anna Grüterich, Niko Neuser und Niko Straßburg das rheinland- pfälzische Partnerland Ruanda und die Partnerschule des Gymnasiums auf dem Asterstein in Katikumba, im Norden des Landes an der Grenze zu Uganda. Schwerpunkte bildeten die Besuche zahlreicher Projekte, die unsere Schule seit Jahren unterstützt. Zum einen verbrachten wir einen Vormittag in einem Kindergarten, der Kinder aufnimmt, die sich die geforderte Uniform nicht leisten können, z.B. von alleinerziehenden Müttern, Waisenkindern.... In der Abschlussreflexion stellte sich dieser Besuch als ein Highlight der Reise für die Schülerinnen und Schüler heraus, da wir u.a. von den Kindern mit einer überbordenden Freude aufgenommen wurden. Gerne beschäftigten sie sich u.a. mit Spielen, dem mitgebrachten Schwungtuch, Singen und Tanzen, was ein wichtiger Teil der ruandischen Kultur ist und uns auf der Reise immer wieder begegnen wird. Vor Ort wurde uns bewusst, wie gut die mitgebrachten Spielzeuge (in ruandischen Kindergärten nicht vorhanden) dort aufgehoben sind, da Ursula Ohly, Leiterin des Projektes, mit der unsere Schule lange einen engen Kontakt pflegt, alles aus Spendengeldern finanziert.
Weiterhin besuchten wir ein medizinisches Zentrum, geleitet von einer chirurgisch ausgebildeten Ordensschwester, das Menschen in einem Umkreis von 15 km versorgt und täglich bis zu 300 Patienten betreut. Uta Düll präsentierte uns eine von einer Drohne abgeworfene Blutkonserve. Mit dieser innovativen Transportmethode bezieht das medizinische Zentrum von Kigali aus ihre Arzneimittel. Auch dieses Projekt ist auf Spendengelder angewiesen und wird von unserer Schule unterstützt. Zudem initiierte Uta Düll auf Basis dieser Spenden den Bau zweier Häuser. Eines, in dem eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern lebt, verschönerte die Gruppe in einer Malaktion. Da die meisten Häuser in Ruanda aus Lehm bestehen und immer wieder aufgrund der starken tropischen Regenfällen ausgebessert werden müssen, bedeutet dieses solide gebaute Haus ein „Luxus“ für die Familie. Espérance (dt. Hoffnung) ist ein weiteres Projekt in der Hauptstadt Kigali, das Straßenkindern nach der Schule die Möglichkeit bietet, in sportlichen Aktivitäten wie Boxen, traditionellem Tanz, Inlineskating, Turnen…. Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Eindrücklich war eine gemeinsame Tanzaktion mit den Ruandern.Ebenso fördert ein Leistungssportzentrum Kindern kostenlos abends und am Wochenende in Fußball, Volleyball und Tischtennis. Aus diesem Projekt sind ruandische Fußball – Nationalspieler hervorgekommen. In einem gemeinsamen Fußballspiel zeigten wir unsere fußballerischen Fähigkeiten.
Ein Agrarforschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz, zeigte, dass Einsatz zur Verbesserung der Lebensumstände führen kann. Man untersuchte, inwiefern die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern in einem gewissen Abstand auf Agrarflächen, Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit, Erosion und somit auf die Höhe des Ertrages von angebauten Nutzpflanzen wie Mais, Maniok usw. hat. Grundsätzlich ist ein Ackerbau in Ruanda aufgrund des nährstoffarmen tropischen Bodens schwierig. Die Erkenntnisse zur Ertragssteigerungen sind seit einigen Jahren in Ruanda gesetzlich verankert und können überall im Land beobachtet werden. In Bezug auf Ruandas Geschichte hat die Gruppe eindrückliche Parallelen zur deutschen Geschichte erfahren. Im Jahr 1994 fand in Ruanda ein Genozid statt, bei dem Hutis eine Millionen Tutsis (eine angeblich privilegierte Volksgruppe) ermordete. Dominiques (ruandischer Betreuer der Fahrt) persönliche, sehr emotionale Schilderungen und der Besuch der Gedenkstätte des Genozids
in Kigali berührte uns sehr und wird uns prägend in Erinnerung bleiben.Weitere Einblicke in die Geschichte Ruandas erhielten wir durch den Besuch des Königspalastes.
Die Tierwelt Ruandas faszinierte uns immer wieder auf unserer Fahrt, z.B. im Dian Fossey Zentrum. Dian Fossey war eine wegweisende amerikanische Primatologin, die über 18 Jahre lang das Verhalten der vom Aussterben bedrohten Berggorillas in Ruanda erforschte und schützte, indem sie mit den Gorilla-Familien zusammen im Urwald lebte. Die Population der heute geschützten Tiere hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise vervielfacht.
Auf einer Insel im Kivusee konnten wir Flughunde und Blue Velvet Monkeys (Meerkatzen mit blau gefärbtem Hodensack) bewundern. Im Akagera-Nationalpark hatten wir das große Glück, vier Tiere der Big Five zu beobachten: Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel. Zudem beeindruckten uns Giraffen, Zebras, Antilopenarten uvm.. In den Städten begegneten uns immer wieder Isandi, eine gelbe Vogelart die in Kolonien kunstvoll hängende Nester bauen.
In Kigali leben Horden von Meerkatzen in der Nähe der Einwohner. In unserer Partnerschule in Kagitumba lernten sich die Partnerschülerinnen und -schüler kennen. Wir wurden sehr offen und freundlich von der gesamten Schulgemeinschaft mit einer Tanzvorführung begrüßt. Die Gruppe hatte die Möglichkeit in zahlreichen Gesprächen, sich auszutauschen und die Partnerschaft zu intensivieren. Unterrichtsbesuche einen gemeinsamen Gang zu einer Bananenplantage ermöglichten uns einen Einblick in das ruandische Bildungssystem und in dessen Kultur. Auch ein gemeinsames Fußballspiel vor der gesamten Schulgemeinschaft förderte die Partnerschaft der zwei Schulen.Insgesamt blicken wir auf eine sehr eindrückliche und prägende Reise zurück. Die Aufgeschlossenheit der vor allem junger Menschen hat uns sehr beeindruckt. Überall im Land wurden wir von Kindern mit Winken und Hallo-Rufen begrüßt. Emotional berührt hat uns die zum Großteil große Armut der Bevölkerung, die gerade in ländlichen Gebieten kein fließendes Wasser, keinen Strom besitzen und nur von dem Leben, was sie vor ihrem meist aus Lehm gebauten Haus anbauen. Ermutigt hat uns die Erkenntnis, dass wir im Kleinen etwas bewegen können. Wir haben gesehen, dass unsere Spenden bei den für ihr Engagement bewundernswerten Projektleiterinnen und Projektleiterinnen direkt ankommen und sinnvoll eingesetzt werden. Ein großer Dank geht an die organisierenden Lehrkräfte Anna Grüterich, Niko Neuser und Niko Straßburg, die seit 2013 in einem immensen Aufwand die Partnerschaft und die Fahrt nach Ruanda organisieren, betreuen und den Schülerinnen und Schülern diese prägenden Erfahrungen ermöglichen. Ein Dank geht auch an die Schülerinnen und Schüler, die sich auf die großteils sehr emotional fordernden Eindrücke eingelassen haben und in zahlreichen Reflexionsrunden und Gesprächen Offenheit, Interesse und Empathie in einem außergewöhnlichem Maße zeigten. Ihr seid eine tolle Truppe.Ich würde mich freuen, wenn auch zukünftig vielen weiteren Schülergruppen diese prägenden Erfahrungen ermöglicht werden.
Sandra Schulz-Utermöhl

